Lago di Garda

Natürlich ist der Gardasee nicht mein erster Trip in ein fremdes Land, aber eben der Erste, seit ich diesen Blog hier führe. Seit ich vegan lebe und ich dachte, Reisen seien eine Herausforderung, waren da Städte und Länder wie Tallinn, Korsika, Helsinki, Österreich und Mallorca. Zuvor bereicherten mich typische Ziele wie Paris, London, Barcelona oder auch Malta, Riga, Amsterdam und Prag. Liebe Freunde, wenn ich ein Ziel mit euch vergessen habe, weist mich bitte darauf hin, es ist sicher keine Absicht, aber ich werde eben auch alt ;)

Nun zurück zum Gardasee. Es war echt schön! Meine erste Reise nach Italien (shame on me!) hat mich überzeugt. Auch wenn man den Lago wohl kaum zu „typisch italienisch“ zählen kann. Während diesen vier Tagen habe ich sage und schreibe drei englische Sätze gesprochen, natürlich keinen einzigen italienischen (außer meine grandiose Pizzabestellung). Es war tatsächlich, als würde ich an einen besonders schönen deutschen Ort fahren. Überall die vertraute Sprache. Selbst in Verona konnten wir uns mit dem Kellner auf deutsch unterhalten. Super crazy, wie ich finde. Da war Mallorca sogar weniger eingedeutscht. Wer also keinen Landsmann im Urlaub sehen möchte, sollte den Gardasee, vor allem in den Sommerferien, meiden.

  • Die Fahrt

 

So, wo fange ich am besten an?! Chronologisch bei der Hinfahrt, würde ich mal sagen. Wir sind von München (Pia von Stuttgart aus) los gedüst. Zuvor haben wir uns natürlich brav eine Vignette beim ADAC geholt und ein Navi beim Mitbewohner ausgeliehen (Merci, Bene). Die Reiseführer für den Gardasee und Verona lagen schon Wochen neben meinem Bett, haben es aber leider nicht in meine Hand geschafft. Also ging alles relativ planlos und spontan mit einem kleinen, runden, blauen Auto los. Und ich muss sagen: es hat alles reibungslos funktioniert. Habt keine Angst vor dem Brenner! Absolut null Stau. Weder bei der Hin- noch bei der Rückreise. Dabei haben mich so viele Leute gewarnt und mir ins Gewissen geredet, ob ich denn wirklich für nur vier Tage nach Italien fahren will… Es lag wahrscheinlich aber auch am Wochentag (Donnerstag) und daran, dass nirgendwo Ferien begannen oder endeten. So weit, so gut. In Brenzone angekommen musste natürlich erst einmal das Zelt aufgebaut werden. Auch das war für uns komplett neu- hat aber auch geklappt! Wir wurden selbst in der Nacht des Unwetters nicht davongetragen. Was kann man also in Brenzone und Umgebung so starten, dass es nicht langweilig wird?

  • Aktivitäten

Sport, Sport und nochmal Sport. Der Gardasee ist dafür bekannt, die Herzen der Sportliebhaber höher schlagen zu lassen. Egal ob die umliegenden Berge besteigen, die Aussicht genießen oder eben diese Hügelchen mit dem Mountainbike hochfahren, egal ob Wassersportarten wie Kitesurfing oder Segeln, egal ob Meilen sammeln beim Shoppingtrip durch die schönen Ortskerne: am Lago di Garda kann es eigentlich nicht langweilig werden. An diversen Stellen wird Paragliding oder eine Tandemfahrt angeboten. Auch Canyoning steht hoch im Kurs. In Brenzone, wo wir uns aufhielten, war vor allem das Kitesurfen sehr beliebt. Direkt am Campingplatz hatte ein Münchner seine Kitesurfschule aufgebaut. Dafür sollte man aber mindestens fünf Tage Zeit mitbringen, um das Ganze ordentlich ausführen zu können. SUP würde allerdings auch mit nur einem halben Tag Zeit gut funktionieren, meinten die Kitesurfer. Da unser Urlaub aber eher zum Entspannen und Kraft tanken gedacht war, ließen wir die Action bleiben und haben uns stattdessen die Umgebung näher angeschaut.

  • Malcesine und der Berg

Jeder Ort hat seinen eigenen Charme. Alle sind klein, schön und schnucklig – aber eben auf ihre eigene Art und Weise.

In Malcesine gibt es neben besagtem schönen Ortskern eine Burg und den berühmten Berg Monte Baldo. Das Beste: Auf dem Weg zur Burg, genauer gesagt am Fuße der Burg, befindet sich eine Eisdiele, die veganes Gelato verkauft! Bis genau dort hin habe ich es auch geschafft und nicht weiter. Was aber auch daran lag, dass das Castell Eintritt kostete und uns der Ausblick auch so schon glücklich machte.

Apropos Ausblick. Zwei oder drei  Mal versuchten wir unser Glück mit der Gondel, die alle halbe Stunde von Malcesine aus fährt, auf den höchsten Berg der Region, den Monte Baldo, hochzutingeln. Unser Vorhaben scheiterte tatsächlich am Parkplatz! Wir haben einfach keinen gefunden. Egal, ob spät nachmittags oder früh morgens. Sehr schade! Hier gilt also: WIRKLICH früh dort aufzuschlagen und warten, bis die ersten Gondeln fahren. Ist sicher ein schönes Erlebnis, oben auf dem Berg zu stehen und sich frei zu fühlen. Wer die selben Probleme hat wie wir: Einfach mit dem Auto die kleinen, verwinkelten Gassen bergauf fahren und anhalten, wo immer es gerade schön ist. Es gibt wundervolle kleine Bergdörfer zu sehen und die Straßen geben einem das typisch italienische Lebensgefühl on the road. Schaut selbst, wie hübsch die Bergfahrerei sein kann:

 

  • Brenzone sul Garda

In Brenzone haben wir, wie gesagt und wort wörtlich, unser Zelt aufgeschlagen.

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Der Campingplatz Le Maior ist wirklich zu empfehlen! Super nette Betreiber (können natürlich deutsch;)), saubere Sanitäranlagen, nette Lounge mit guten Preisen (ein Gin Tonic 4,50 € – was will man mehr?!) und allgemein ein hübscher Platz mit nicht zu vielen Gästen. Es fühlt sich alles sehr familiär an und ist ziemlich schnucklig. Der einzige Nachteil war der Boden. Zumindest auf unserem Platz. Dieser war ziemlich steinig und die Heringe nur mit Mühe und viel Geduld festzumachen. Aber alles in allem top! Super Preis-Leistungs-Verhältnis. Auch, dass der Platz etwas am Berg liegt, ist nicht unbedingt negativ zu beurteilen: Wieder mal eine tolle Aussicht!

Brenzone besteht aus vielen kleinen Ortschaften. Wir befanden uns in Castelletto, dem, meiner Meinung nach, bestimmt süßesten aller Orte, die zu Brenzone zählen. Zu Fuß erreichten wir in nur wenigen Minuten die „Innenstadt“, die aus hübschen Restaurants, Souvenirläden und einem Spar (ja, die gibt’s da noch :)) besteht. Viele verwinkelte Gässchen führen zu noch verwinkelteren bunten Häusern. Das Schönste: Die tollen Blumen, die die Häuser umranken.

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Brenzones „Promenade“ ist vor allem bei Sonnenuntergang ein Augenschmaus. Sie zieht sich eigentlich unendlich, bis man keine Lust mehr auf Laufen hat.

In besagtem Spar bekommt man eigentlich alles. Sogar Sojamilch und (vegane) dunkle Schoki habe ich entdeckt und mir einen Ast gefreut. Insgesamt hatte ich das Gefühl, es gibt mehr Restaurants als Einwohner in diesem Städtchen. Egal ob Pizzeria, Fischrestaurant am Hafen oder eher gehobene Gastronomie – hier wird jeder glücklich. Für den abendlichen Absacker findet man zwei (meine ich zumindest zu glauben) Bars, die Cocktails (gute!) zu guten Preisen anbieten. Dass man hier als Tourist irgendwie übers Ohr gehauen wird, hatte ich absolut nicht das Gefühl. Alle Preise waren völlig in Ordnung und teilweise günstiger als bei uns in Deutschland. Kann aber auch sein, dass ich mich schon an München angepasst habe und alles andere super günstig finde.

Das Highlight für mich, als kleiner Lebensmittelfetischist: zahlreiche Essig, Öl und Weinverkaufsläden. Auch Trüffel, selbstgemachte Pasta, getrocknete Tomaten, italienische Salami (wem’s schmeckt..) findet man in diesen authentisch hergerichteten Läden. Leider habe ich in meiner Euphorie total vergessen Bilder zu machen. Aber das Olivenöl und das Chiliöl sind ein Traum und wandern bei mir seither fast täglich mit in die Speisen ♥